Geschichte
Vom Surbtal über die Emanzipation bis heute.
Jüdisches Leben auf dem Gebiet der heutigen Schweiz ist mittelalterlich bezeugt — und wurde über Jahrhunderte durch Vertreibungen, Sondersteuern und Wohnbeschränkungen geprägt. In der frühen Neuzeit durften Juden in der Eidgenossenschaft nur an wenigen Orten sesshaft werden.
Endingen und Lengnau
Die Dörfer Endingen und Lengnau im aargauischen Surbtal waren vom 18. Jahrhundert bis zur rechtlichen Gleichstellung die einzigen Orte, an denen Juden im Kanton dauerhaft wohnen durften. Die Synagogen dort stehen noch; sie sind zentrale Erinnerungsorte der Schweizer jüdischen Geschichte, auch wenn das Alltagsleben der Gemeinden sich längst in die Städte verlagert hat.
Emanzipation
Die rechtliche Gleichstellung kam schrittweise: Niederlassungsfreiheit und Bürgerrechte wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durchgesetzt (namentlich 1866 und mit der Bundesverfassung von 1874). Danach wuchsen städtische Gemeinden in Zürich, Basel, Bern, Genf, Lausanne, St. Gallen, Biel, La Chaux-de-Fonds, Lugano und Luzern.
20. Jahrhundert
Die Shoah und die Schweizer Flüchtlingspolitik der 1930er- und 1940er-Jahre gehören zur Landesgeschichte — inklusive der umstrittenen Visumspolitik und des «J»-Stempels in deutschen Pässen. Nach 1945 festigten sich die heutigen Gemeinde-Strukturen. Neue Zuwanderung, Israel und innerjüdische Pluralisierung (unter anderem Chabad und liberale Gemeinden) haben das Bild seither verändert.
Die historischen Synagogen von Endingen und Lengnau sowie die städtischen Bauten des 19. Jahrhunderts (etwa in Basel, Bern, La Chaux-de-Fonds oder Genf) sind architektonische Zeugnisse dieser Geschichte.